Der Corona Crash – Zeitpunkt zum Überdenken der Anlagestrategie

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Es ist der heftigste Crash an der Börse seit dem zweiten Weltkrieg, und zugleich auch der schnellste Crash – Der Corona Crash. Denn innerhalb kürzester Zeit brachen die Kurse Weltweit ein, und ja auch ich habe bis zu knapp 35 % Verluste hinnehmen müssen. Persönlich ärgerte mich das nur minimal, denn zum einen habe ich noch einen recht langen Anlagehorizont vor mir und zum anderen sehe ich in dem Crash auch eine Chance.

Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.

Warren Buffett

Warum ist der Corona Crash eine Chance?

Je tiefer die Kurse fallen, umso günstiger kann ich jetzt Anteile erwerben. Bei gleichbleibender Sparrate erhalte ich mehr Anteile eines ETFs. Werden die Kurse in 2 bis 3 Jahren wieder auf ihrem alten Niveau zurück gestiegen sein, nehme ich deutlich mehr Rendite mit.

Aber der Crash brachte mich auch ins Grübeln. Klar, man sollte diversifiziert sein, über Branchen und Länder hinweg, damit wenn es zu Schwankungen in einem Land oder in einer Branche kommt diese durch andere ausgeglichen werden können. Nur ist durch die Coronapandemie übergreifend in allen Bereichen der Kurs eingebrochen. Macht also die bisherige Strategie nach wie vor Sinn, oder muss ich vielleicht umdenken?

Meine Strategie nüchtern betrachtet

Schauen wir uns mal an, in welche ETFs ich aktuell investiere:

  • Als Hauptanteil investiere ich in den MSCI World Index
  • Die Emerging Markets werden mit 20% gewichtet
  • Und zusätzlich sind Small Caps verteten mit 16 %

Diese drei ETFs sind alle thesaurierend und mittels Sparplan investiere ich diese. Macht je Sparplanausführung 1,50 € und damit monatlich 4,50 €. Als Grundsolide und breit diversifiziert betrachte ich diese Aufstellung, warum also an der Strategie nicht festhalten?

Lektüre und Finanzpornographie hin oder her, macht es wirklich Sinn bei entsprechender Sparrate 3 ETFs anzusparen, nur um eine in der Zukunft evtl höhere Rendite einzufahren? Ich habe einiges dazu gelesen, und vor allem ein Artikel vom Finanzwesir brachte mich dann tatsächlich ins Grübeln.

Der Götze der Diversifikation

Unter dem Titel „Opfert nicht dem Götzen der Diversifikation!“ fasst der Finanzwesir sehr anschaulich folgendes zusammen:

  • Wieviele ETFs bei welchen Depotvolumen bespart werden sollten
    (Das Depotvolumen ist kleiner als 50.000 €? Dann werden maximal 2 ETFs bespart)
  • Die Größe der Depopositionen

Punkt Nummer 2, die Größe der Depopositionen greife ich mal auf. Die Emerging Markets sind bei mir mit 20 % gewichtet. Selbst wenn die Emerging Market nochmals zu einem historischen Plus von 79 kommen, dann steigt das Gesamtvermögen um 15,8 %. Gleiches gilt bei den Small Caps, auch hier nehme ich mal das historische Plus von 39,8 %, dabei würde das Gesamtvermögen um 6,37 % steigen. Nur sind das leider historische Höchstwerte welche im Nachfolgenden Beispiel mal einfach nur auf das doppelte der Rendite vom MSCI World Index (7,9%) hochrechnen:

  • Emerging Market Anteil 20% * 0,158 = 3,16 %
  • Small Caps Anteil 16% * 0,158 = 2,53 %

Wenn Sie mit einem 15%-Nachbrenner Ihre Rendite pimpen wollen, dann verschieben Sie diese 15 % nicht vom MSCI World in einen Small-Cap-ETF, sondern vom Tagesgeldkonto in einen World-ETF.

Finanzwesir

Theoretisch können mit den Emerging Markets und Small Caps höhere Rendite erzielt werden, sofern die Betrachtung der Vergangenheit auch annähernd in der Zukunft eintrifft. Diese etwas bessere Rendite erkauft man sich ggf. mit monatlichen Transaktionskosten und eventuellen Aufwendungen und Zeit fürs Rebalancing. Mal ganz von den Nerven abgesehen, die durch die wesentlich höhere Volatilität doch recht beansprucht werden.

Durch die Pandemie sind die Märkte aber sehr einheitlich eingebrochen, weswegen sich mir die Frage stellt, ob meine Strategie nicht zu einfach ist. Oder vielleicht ist es auch einfacher eine einfachere Strategie zu wählen.

Von vorne Anfangen – Die 1 ETF Strategie

KISS – Keep it stupid simple, ein Spruch der immer wieder passt. Dabei ist Verzicht meist wesentlich schwieriger, als wie eine ausgeklügelte und Stundenlang zusammengesuchte Kombination von ETFs zusammen zu stellen.

Wenn ich in ETFs investiere, dann nur in einen breit diversifizierten Index. Das bedeutet für mich in den MSCI World oder MSCI World All-Country oder in den FTSE All-World. Auf den ETF Portalen von justetf und extraetf kann per Suchkriterium schnell gefiltert werden und die Auswahl gegenüber gestellt werden.

Eigentlich war mir schon vorher klar, das der FTSE All-World aus dem Raster fallen wird, da dieser quartalsweise ausschüttet und ich definitiv einen thesaurierenden ETF haben möchte. Tja eigentlich, denn zu meiner Überraschung gibt es den FTSE All-World von Vanguard seit Mai 2019 auch als Thesaurierend.

Damit war die Entscheidung gefallen, denn bereits zu meiner 3er ETF Strategie stand der FTSE Vanguard All-World im Fokus, nur leider war er zu dem Zeitpunkt nur in der ausschüttenden Variante verfügbar. Denn dieser ETF enthält rund 3.400 Positionen aus 47 verschiedenen Industrie- und Schwellenmarktländern.

Und Small-Caps? Den bisherigen ETF auf die Emerging Markets werde ich, bei +/- Null verkaufen und in den All-World umschichten. Die bisherige MSCI World Position bleibt bestehen und ruht. Und in den Small-Cap ETF wird in Zukunft auch wieder mittels Sparplan investiert, allerdings erst wenn das Depotvolumen signifikant gestiegen ist – oder auch nicht. Diesen Punkt werde ich entscheiden, wenn eine entsprechende Depotgröße erreicht ist.

Meine Hauptsparrate wird in den FTSE All-World ETF investiert, damit fahre ich für die Vermögensbildung eine 1 ETF Sparplanstrategie mit meinem Lieblings ETF. Kleines Schmankerl kam dann noch von meinem Broker oben drauf, denn dieser bietet die Sparplanausführung für aktuell 0,49 € an. Um in den nächsten Monaten und Jahren einen Vergleich ziehen zu können zwischen der 1 ETF Strategie und der Kombination mit den Small Caps, habe ich bei Just ETF ein Portfolio mit dem Vanguard All-World und Small-Caps angelegt. Ich werde berichten wie viel Rendite ich dadurch verloren oder gewonnen habe.

Kommentare


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  • Super lieben Dank für die kleine Finanzausbildung! 🙂 Ich finde es auch gut, in solchen Phasen zu überdenken und vielleicht auch mal ein wenig risikoreicher zu investieren. Grosser Werte sind günstig, werden aber sicherlich nicht pleite gehen. Da lassen sich schon ein paar Prozente mehr rausholen.

    • Hallo Aloko,
      es freut mich das du daraus etwas lernen konntest 🙂 Allerdings verstehe ich nicht warum du den Vanguard All-World ETF als ein wenig risikoreicher zum Investieren ansiehst? Denn dieser ETF enthält rund 3.400 Positionen aus 47 verschiedenen Industrie- und Schwellenmarktländern, wie ich auch oben geschrieben habe. Er ist also enorm breit diversifiziert. Zudem kann ein ETF nicht Pleite gehen, vielleicht verwechselst du ETFs mit Aktien?
      Mfg, Michael

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